Job-Positivity

In einem Klatsch-Magazin las ich kürzlich einen sehr klugen Satz von Ilka Bessin, vielen noch besser bekannt als Cindy aus Marzahn. Auf die Frage, wie sie es mit Body-Positivity halte, sagte sie: Body-Positivity fängt damit an, mit dem Lästern über das Aussehen anderer aufzuhören.

Mir gefällt das. Nicht nur deshalb, weil diese Ansage in dem ganzen Körper-Liebe, Selbstliebe und Was sonst noch so-Liebe-Wahnsinn mal ein spannender Perspektivwechsel ist. Sondern auch, weil es sich so wunderbar auf den Arbeitsalltag übertragen lässt:

Eine positive Einstellung zum eigenen Job und damit so etwas wie Berufszufriedenheit beginnt damit aufzuhören, die Arbeit von anderen unnötig zu kritisieren. Und der erste Schritt auf dem Weg des Aufhörens, andere zu kritisieren ist, sich selbst zu fragen, wofür man das Kritteln am anderen gerade braucht. Selbstannahme ist dünnes Eis, solange sie über die Abwertung anderer führt. Selbstliebe ist Makulatur, solange die Aufforderung „Tu Dir was Gutes“ und „Sage nein zu dem, was Dir nicht gut tut“ lediglich ein Aufruf zur Bequemlichkeit ist.  Selbstliebe – im Gegensatz zu Selbstsucht – ist sogar ziemlich unbequem, weil sie danach verlangt, sich Wahrheiten zu stellen und Wunden zu versorgen.

In diesem Sinn werbe ich für mehr Job-Positivity. Die für mich aber wenig damit zu tun hat, es sich im Job bequem zu machen, nur tun zu können, was Spaß macht oder rund um die Uhr zu jubeln, wie toll man sich bei der Arbeit selbst verwirklicht.

Sie beginnt damit, die Arbeit von Kollegen oder Vorgesetzten nicht unnötig zu kritisieren. Auch nicht dadurch, sich aufs hohe Ross zu setzen, weil man selbst grad unabhängig und erfolgreich ist, den Traumjob gefunden oder etwas Neues gelernt hat. Sie  geht weiter damit, die Job-Wunden zu versorgen. Sich zu fragen, welche Kränkungen einem widerfahren sind, etwa durch Kompetenzunterschiede, die Unvereinbarkeit von Rollen oder unklare Strukturen. Um schließlich die Klärung – und das ist jetzt wörtlich gemeint – anstrengen und sich aus destruktiven Verstrickungen lösen zu können.

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