Gedankensplitter

Was uns so durch den Kopf geht….und sich lohnt, festgehalten zu werden

Ein aufgeschnappter Satz in der U-Bahn, eine Idee, die uns durch den Kopf fährt, ein Lieblingszitat: Solche Gedankensplitter sind Anregungen zum Schmunzeln und Weiterdenken. Hier finden Sie, was meinen Kunden und mir in den Sinn gekommen ist. Sie können es  weiterspinnen und kommentieren. Oder Ihre eigenen Gedankensplitter teilen.

Viel Spaß beim Sinnieren!

Gut geerdet

In einem Magazin las ich neulich ein Interview mit einer erfolgreichen Marketingfrau. Auf die Frage, warum sie ihren Job mache, antwortete sie: Weil ich Marketing kann. Und weil ich von irgendetwas leben muss.

Ich finde das erfrischend. Im Heer all der Menschen, die meinen, vor allem für den Spaß und nicht für den Lebensunterhalt arbeiten und dabei bis in die Haarspitzen für ihre Arbeit brennen zu müssen, ist das mutig und frech.

Selbstverständlich ist nichts falsch daran, Spaß an der Arbeit zu haben und mit Leidenschaft bei der Sache zu sein. Aber Arbeit ist eben auch Broterwerb und das ist ein respektabler Grund dafür, einen  Beruf auszuüben. Sich falsch zu fühlen, weil man beruflich nicht die persönliche Leidenschaft lebt, ist Blödsinn. Diejenigen zu bedauern, die „nur“ wegen des Geldes arbeiten gehen, finde ich vermessen. Leidenschaft ist gut, aber kein Erfolgsgarant.

Stressen Sie sich also nicht mit der Verwirklichung eines instagramfähigen Traumjobs. Nicht jeder kann vom Schneider zum Schreiber umsatteln. Und bitte, liebe Personalverantwortliche: Hört auf nach Mitarbeitern zu suchen, die vor Leidenschaft brennen. Stellt auch diejenigen ein, die auf die Frage , warum sie den Job wollen, sehr geerdet antworten: Weil ich von irgendetwas leben muss.

Warum Leidenschaft nicht unbedingt ein Erfolgsfaktor sein muss ist übrigens  Gegenstand meiner Kolumne „Lieber leidenschaftslos“

 

Vor-Urlaubsgefühle

Die Panik, wenn man eine Woche vor dem Ferien feststellt, das der Pass abgelaufen ist.

Der Spaß daran, Packlisten zu schreiben.

Die Erschöpfung am Vorabend der Abreise, nachdem man die letzte Wäsche weggebügelt hat.

Der Schreck, der einem in die Glieder fährt, wenn man sich nicht erinnern kann, ob man das Bügeleisen wirklich ausgestellt hat.

Die Vorfreude auf die Köstlichkeiten fremder Küchen.

Die Lust am Aussuchen der richtigen Reiselektüre.

Das Glück beim Blick in strahlende Gesichter am Reisemorgen.

 

Vor-Sommer-Gefühle

Der Genuss von Lindenblütenduft in der Luft.

Die Melancholie beim Gedanken daran, dass mit dem Sommeranfang die Tage wieder kürzer werden.

Der Neid auf die Bayern und ihre langen Pfingstferien.

Der Gaudi, wenn der Ahornnasenstülper tatsächlich auf der Nase klebt.

Die Überraschung, wenn man beim Putzen das vermisste Osterei wiederfindet.

Die Sorge, zwischen all den Feiertagen die Arbeit nicht zu bewältigen.

Das Wundern darüber, wo das erste Halbjahr geblieben ist.

Die Vorfreude auf lange Sommernächte.

 

Veränderungshäßlichkeit

Ich habe eine neue Küche. Genau genommen ist sie nicht neu, sondern sogar ziemlich alt. Sie ist die Küche meiner Vor-Vor-Mieter und versprüht den Charme der 90er. Nach Auffassung meines Vermieters ist sie „noch gut“ – weshalb ich sie nicht auswechseln durfte,

Ich habe ernsthaft in Erwägung gezogen, die Wohnung wegen der Küche sausen zu lassen. Was bei der Wohungssituation in Berlin völlig bescheuert wäre, insbesondere, wenn der Rest stimmt. Und das tut er. Ich versuche also, das Beste draus zu machen und reframe, was das Zeug hält:

Ich konnte nicht nur jede Menge Geld für eine neue Küche sparen, sondern habe auch eine Menge über Veränderung gelernt: Selbst, wenn man sie selber will, selbst, wenn eigentlich alles passt, selbst, wenn man sich lang nach der Veränderung gesehnt hat: Irgendwas ist immer. Und das ist normal. Selbst die Treiber einer Veränderung erleben Tiefs und  einzelne Aspekte können alles in Frage stellen. Überzeugende und motivierende Worte von außen helfen wenig. Egal was mein Umfeld sagt – ich finde die Küche nicht wirklich schön. Was aber hilft, ist die Möglichkeit, den Rahmen um die Zumutung herum gestalten zu können.

Also tragen die Wände nun frische Farbe, der Fußboden ist ausgewechselt, und  die ergänzten Möbel sind in meinem Stil gewählt. Beim Betreten des Raumes richte ich den Blick auf meinen Bistrot-Sitzplatz, konzentriere mich auf das, was ich mag. Und stelle fest, dass das Schöne strahlt. Und mir hilft, das Häßliche zu mögen.

 

 

Königlich professionell

Man ist nie zu alt, etwas Neues zu probieren. Den Beweis dafür lieferte kürzlich Queen Elisabeth II, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben – sie ist 91 – die Londoner Fashion Week besuchte. Ob sie auch amused war, ist nicht bekannt, spielt aber auch keine Rolle. Sie war schlicht professionell und hat einem britischen Designer einen Preis überreicht.

Führungskräfte können sich daran ein Beispiel  nehmen. Und einfach mal etwas Neues ausprobieren. Zum Beispiel könnten sie ihre Mitarbeiter außer der Reihe um Feedback bitten. Oder welches geben. Sie könnten ihre Kinder mal mit zur Arbeit bringen und ihrem Team einen Ostergruß zukommen lassen. Oder eine Besprechung bei schönem Wetter nach draußen verlegen. Es gibt tausend Dinge, die man probieren kann, ohne dass daraus sofort eine Routine werden muss. Die Queen ist ja auch nicht gleich zur Fashionista mutiert.

Es geht einfach nur darum, etwas zu tun, das ungewohnt ist, aber eben gerade dran. Es geht darum, ein kleine Hürde zu nehmen. Ganz professionell. Und quasi königlich.

Wintergefühle

Die Freude über den kleinsten Sonnenstrahl am sonst grauen Winterhimmel.
Der Ärger darüber, schon wieder die Handschuhe vergessen zu haben.
Das Glück eine Oma zu haben, die Socken stricken kann.
Die Erleichterung, wenn die Lieben bei Eisglätte gut heim gekommen sind.
Die freudige Überraschung, Eisblumen am Fenster zu sehen.
Das Erschrecken bei der Feststellung, dass man Schlittschuhlaufen doch verlernen kann.
Der wohlige Schauer, wenn das Eis der zugefrorenen Pfütze unter den Füßen knackt.
Die Ungeduld, endlich die ersten Schneeglöckchen zu entdecken.

 

 

Zu Weihnachten

Du brauchst Dich nicht zu schminken
den Spiegel brauchst Du nicht
Leg ab die falschen Masken
verdeck nicht Dein Gesicht

Kauf bloß keine Geschenke
und keine Plätzchen back
das alles ist Verpackung
das lenkt jetzt alles ab

Du brauchst kein Geld, kein‘ Reichtum
auch Macht und Ehre nicht
Dein Haben und Dein Können
fällt heut nicht ins Gewicht

Das Kindlein ist geboren
wo immer es jetzt ist
es wartet auf Dein Kommen
es nimmt Dich wie Du bist

Gedankensplitter von Andreas Göster, KJF Kinder- und Jugendhilfe Memmingen-Unterallgäu