Gedankensplitter

Weihnachtsmarkt Gefühle in Zeiten von Corona

Der Eifer, mit dem man versucht, zuhause für Ersatz zu sorgen.

Die Freude über das wiederentdeckte Feuerzangenbowlen-Geschirr für den Glühwein-Ersatz

Die Enttäuschung, wenn auch die zweite Fuhre Maronen im Ofen verbrannt ist.

Das Glück wenn der Kartoffelpuffer bei Umdrehen in der Pfanne ganz geblieben ist.

Die Angst, dass die Nachbarn die Feuerwahr rufen, weil der Balkon-Grill mit den Bratwürsten so qualmt.

Das Bangen, dass alle Lieben gesund bleiben.

Innovation des Monats

Der Berliner Fußballclub Hertha BSC steht in dieser Saison (mal wieder) ziemlich weit unten in der Tabelle. Nachweislich ist es das Team mit den wenigsten Torschüssen der Liga. Kein Wunder also, dass das mit den Punkten nicht so klappt. Wer nicht aufs Tor schießt, kann auch nicht treffen.

Was im Fußball jedem sofort einleuchtet, ist in Unternehmen scheinbar nicht ganz so klar.

So finden viele Unternehmen Innovation ziemlich super, Experimente hingegen, erst recht wenn sie scheitern, ziemlich doof. Was dazu führt, dass dort nicht nur weniger experimentiert, sondern auch weniger innoviert wird.

Also: Eine gute Abwehr ist eine feie Sache. Den Preis für das Tor des Monats gewinnt man damit aber nicht. Einfach mal machen, ist die Devise. Immer wieder ausprobieren. Über rechts, über links, über die Mitte kommen. Nur das Ausprobieren gibt Aufschluss darüber, was funktioniert und was nicht. Irgendwann geht der Ball dann auch mal rein. Oder die Innovation des Monats liegt auf dem Tisch.

Schnee-Gefühle

Die innere Ruhe, die sich einstellt, wenn es draußen durch den Schnee ganz still wird.

Das Kribbeln im Ohr, wenn der Schnee unter den Füßen knirscht.

Der Reiz, eine noch unberührte Schneefläche zu betreten.

Der Spaß, freche Nachrichten auf eingeschneiten Windschutzscheiben zu hinterlassen.

Das Erschauern, wenn einem eine Ladung Schnee in den Kragen rieselt.

Das Erschrecken darüber, dass der Schneeball den anderen härter getroffen hat, als geplant.

#6×12

Modeinteressierte haben vielleicht schonmal etwas von der 15×30-Challenge gehört. Es geht darum, sich 30 Tage lang die Garderobe aus genau 15 Kleidungsstücken zusammen zu stellen. Für Modeverlebte eine echte Herausforderung.

Mit gefällt das Prinzip: Reduktion auf das Wesentliche, auf Dinge, die sich gut kombinieren lassen, so dass Entscheidungen schneller und einfacher möglich werden, Freiraum für die wirklich wichtigen Dinge im Leben geschaffen wird und man vor dem übervollen Kleiderschrank nicht mehr feststellen muss, nichts anzuziehen zu haben.

Ich glaube, vielen Organisationen geht es ähnlich wie den Menschen vor dem Kleiderschrank: Da gibt es etliche ungenutzte oder schlecht gepflegte Management-Tools, die auch nicht immer gut zueinander passen, alles in allem aber die Sicht auf das Wesentliche eher erschwerenden erleichtern. Wie wäre es also im neuen Jahr mal mit einer 6×12 Challenge? Ein Jahr lang sechs Management-Tools konsequent anwenden. Nicht mehr udn nicht weniger. Ist nicht einfach. Aber möglich.

Feedback-Konter

Dem Schauspieler Morgan Freeman wird das Zitat zugeschrieben „Mit der beste Ratschlag, den ich je erhielt: ‚Nimm keine Kritik von Leuten an, die Du nicht von dir aus um Rat fragen würdest.'“

Ich finde, daraus kann man eine wunderbare Feedbackregel ableiten: Gib nie einen Ratschlag, um den du nicht gebeten worden bist. Wenn du meinst doch einen Rat geben zu müssen, frage Dich, was das über dich selbst aussagt.

Kein Fake bitte

Im Zuge der Body-Positivity-Bewegung findet man auf Instagram immer mehr Fotovergleiche. Links das tolle Bikini-Foto à la Instagram, rechts das Real-Life-Bild mit Dehnungsstreifen, Speckfalte und Dellen am Po. Die Gegenüberstellungen wollen zeigen, wo und wie uns Fake und schöner Schein begegnen und wie echtes Leben aussieht. Und es geht darum, dieses echte Leben, den echten Körper zu akzeptieren und um unserer selbst Willen vom Optimierungswahn abzulassen.

Ich habe an dieser Stelle schon gesagt, dass sich diese Positivity-Bewegung ganz wunderbar auf den Arbeitsalltag übertragen lässt – und möchte nochmal dafür werben. Es ist Zeit für eine Organisations-Positivity-Bewegung.

Immer neue Management-Methoden und Organisations-Modelle suggerieren, dass es die ideale Organisation gibt, den sicheren Entwicklungsweg, den perfekten Organisationskörper eben. Aber vielleicht sitzen wir hier auch nur einem gefakten Bild auf? Einer Pose?

Wie wäre es, wenn wir anfingen, wertzuschätzen, was da ist? Wenn es wichtiger würde, sich tatsächlich mit den Menschen und ihren Kontexten zu beschäftigen als Energie auf exotische Zertifizierungen und Hochglanzbroschüren zu verschwenden? Wenn wir einräumen könnten, dass es Spannungen und Konflikte gibt, die hässlich sind, aber eben auch dazu gehören? Oder wenn man sich nicht schämen müsste, noch keinen schwarzen Gürtel in irgendwas zu haben? Wie wäre es, wenn wir aufhörten, Idealbildern hinterher zu hecheln und statt dessen zu fragen: Was wollen wir eigentlich wirklich? Was ist für uns in unserer Situation realistisch, stimmig, passend? Vielleicht wäre das nicht instagrammable, aber: es könnte gut sein.

Job-Positivity

In einem Klatsch-Magazin las ich kürzlich einen sehr klugen Satz von Ilka Bessin, vielen noch besser bekannt als Cindy aus Marzahn. Auf die Frage, wie sie es mit Body-Positivity halte, sagte sie: Body-Positivity fängt damit an, mit dem Lästern über das Aussehen anderer aufzuhören.

Mir gefällt das. Nicht nur deshalb, weil diese Ansage in dem ganzen Körper-Liebe, Selbstliebe und Was sonst noch so-Liebe-Wahnsinn mal ein spannender Perspektivwechsel ist. Sondern auch, weil es sich so wunderbar auf den Arbeitsalltag übertragen lässt:

Eine positive Einstellung zum eigenen Job und damit so etwas wie Berufszufriedenheit beginnt damit aufzuhören, die Arbeit von anderen unnötig zu kritisieren. Und der erste Schritt auf dem Weg des Aufhörens, andere zu kritisieren ist, sich selbst zu fragen, wofür man das Kritteln am anderen gerade braucht. Selbstannahme ist dünnes Eis, solange sie über die Abwertung anderer führt. Selbstliebe ist Makulatur, solange die Aufforderung „Tu Dir was Gutes“ und „Sage nein zu dem, was Dir nicht gut tut“ lediglich ein Aufruf zur Bequemlichkeit ist.  Selbstliebe – im Gegensatz zu Selbstsucht – ist sogar ziemlich unbequem, weil sie danach verlangt, sich Wahrheiten zu stellen und Wunden zu versorgen.

In diesem Sinn werbe ich für mehr Job-Positivity. Die für mich aber wenig damit zu tun hat, es sich im Job bequem zu machen, nur tun zu können, was Spaß macht oder rund um die Uhr zu jubeln, wie toll man sich bei der Arbeit selbst verwirklicht.

Sie beginnt damit, die Arbeit von Kollegen oder Vorgesetzten nicht unnötig zu kritisieren. Auch nicht dadurch, sich aufs hohe Ross zu setzen, weil man selbst grad unabhängig und erfolgreich ist, den Traumjob gefunden oder etwas Neues gelernt hat. Sie  geht weiter damit, die Job-Wunden zu versorgen. Sich zu fragen, welche Kränkungen einem widerfahren sind, etwa durch Kompetenzunterschiede, die Unvereinbarkeit von Rollen oder unklare Strukturen. Um schließlich die Klärung – und das ist jetzt wörtlich gemeint – anstrengen und sich aus destruktiven Verstrickungen lösen zu können.