Gedankensplitter

Scheinbar versprochen

Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass agile Managementmethoden schnelle Veränderungen herbeiführen. Es ist nicht auszuschließen, dass ich auch schon etwas Ähnliches gesagt oder geschrieben haben. Ich habe jetzt nachgedacht. Sollte ich jemals ein solches Versprechen gegeben haben, habe ich mich mehr als nur versprochen, ich habe mich geirrt.

Sicher unterstützen agile Methoden die regelmäßige Reflexion und das kleinschrittige Vorgehen. Zweifellos erleichtert das das Umdenken. Aber es führt nicht zwangsläufig und schon gar nicht schnell zur Veränderung. Veränderungen gelingen, wenn es die Bereitschaft (und / oder einen ausreichend großen Veränderungsdruck) dazu gibt. Und wenn Menschen fähig sind, sich zu verändern. Das wiederum ist eine Frage der inneren Einstellung – um nicht zu sagen: der psychischen Verfassung – und der äußeren Rahmenbedingungen.

Wo die Kultur nicht agil ist, werden agile Methoden Veränderungen nicht schneller auf den Weg bringen als herkömmliche Vorgehensweisen. Wo eine Organisation hingegen innerlich beweglich ist, kann es auch jenseits agiler Ansätze ganz fix gehen.

Agile Methoden sind toll und können richtig Spaß machen. Sie unterstützen die Arbeit im unsicheren Umfeld. Aber sie sind kein Allheilmittel für all die Probleme, die man bislang auch mit herkömmlichem Management nicht in den Griff bekommen hat.

Silvestergefühle

Das Entsetzen wenn man feststellt, dass schon wieder ein Jahr vorüber ist.

Die Lust darauf, im neuen Jahr Neues anzupacken.

Die Melancholie beim Abschied vom alten Jahr.

Die Vorfreude auf die Silvesterparty.

Das peinliche Berührtsein wenn man zugeben muss, dass man maximal Knallerbsen verschießt, weil man vorm Böllern Angst hat.

Die Verwunderung darüber, das die Kinder Dinner for One einfach nicht so lustig finden wie man selbst.

Die Unsicherheit, wen man um Mitternacht als erstes umarmen soll.

Die Erleichterung, wenn man um Mitternacht vom Richtigen geküsst wurde.

Weihnachtsgefühle

Die Hoffnung auf ein diesmal friedvolles Fest mit der Familie

Das Magengrummeln – nicht nur der Kinder – vor der Bescherung.

Der Ärger über die zersprungene Christbaumkugel.

Die Enttäuschung, weil die anderen Last Christmas von Wham einfach nicht mehr hören wollen.

Die Wut, wenn der Baum mal wieder nicht gerade stehen will.

Die Trägheit nach dem üppigen Weihnachtsessen.

Die Angst vor dem Christbaumbrand.

Das sehnsüchtige Warten auf Schnee am Heiligabend.

Welche Weihnachtsgefühle kennen Sie?

Unfallschutz

Das Magazin Brand Eins postete neulich auf Instagram ein Zitat von Wolf Lotter. Die Aussage war, dass Distanz zueinander wichtig sei, weil man dadurch persönliche und geschäftliche Auffahrunfälle vermeide. Ich kann dem nicht wirklich zustimmen. Nicht nur, weil es beim Thema Nähe und Distanz für mich kein Entweder – Oder gibt, sondern allenfalls ein Sowohl – als – auch. Vor allem weil ich glaube, dass dass man keineswegs konfliktfrei lebt, nur weil man die Distanz zu anderen wahrt. Konflikte kriegen wir für gewöhnlich ganz ohne andere Menschen hin. Etwa, weil wir innere Konflikt nach außen tragen und auf andere projizieren.  Wir produzieren quasi Auffahrunfälle mit uns selbst. Wie bitte soll man die vermeiden? Durch Distanz zu sich selbst? Meinetwegen, wenn die Distanz gemeint ist, die es für die nötige Reflexion braucht. Wenn es aber bedeutet, unnahbar zu werden, um sich nicht verletzten zu lassen- unter gar keinen Umständen.

Gut geerdet

In einem Magazin las ich neulich ein Interview mit einer erfolgreichen Marketingfrau. Auf die Frage, warum sie ihren Job mache, antwortete sie: Weil ich Marketing kann. Und weil ich von irgendetwas leben muss.

Ich finde das erfrischend. Im Heer all der Menschen, die meinen, vor allem für den Spaß und nicht für den Lebensunterhalt arbeiten und dabei bis in die Haarspitzen für ihre Arbeit brennen zu müssen, ist das mutig und frech.

Selbstverständlich ist nichts falsch daran, Spaß an der Arbeit zu haben und mit Leidenschaft bei der Sache zu sein. Aber Arbeit ist eben auch Broterwerb und das ist ein respektabler Grund dafür, einen  Beruf auszuüben. Sich falsch zu fühlen, weil man beruflich nicht die persönliche Leidenschaft lebt, ist Blödsinn. Diejenigen zu bedauern, die „nur“ wegen des Geldes arbeiten gehen, finde ich vermessen. Leidenschaft ist gut, aber kein Erfolgsgarant.

Stressen Sie sich also nicht mit der Verwirklichung eines instagramfähigen Traumjobs. Nicht jeder kann vom Schneider zum Schreiber umsatteln. Und bitte, liebe Personalverantwortliche: Hört auf nach Mitarbeitern zu suchen, die vor Leidenschaft brennen. Stellt auch diejenigen ein, die auf die Frage , warum sie den Job wollen, sehr geerdet antworten: Weil ich von irgendetwas leben muss.

Warum Leidenschaft nicht unbedingt ein Erfolgsfaktor sein muss ist übrigens  Gegenstand meiner Kolumne „Lieber leidenschaftslos“

 

Vor-Urlaubsgefühle

Die Panik, wenn man eine Woche vor dem Ferien feststellt, das der Pass abgelaufen ist.

Der Spaß daran, Packlisten zu schreiben.

Die Erschöpfung am Vorabend der Abreise, nachdem man die letzte Wäsche weggebügelt hat.

Der Schreck, der einem in die Glieder fährt, wenn man sich nicht erinnern kann, ob man das Bügeleisen wirklich ausgestellt hat.

Die Vorfreude auf die Köstlichkeiten fremder Küchen.

Die Lust am Aussuchen der richtigen Reiselektüre.

Das Glück beim Blick in strahlende Gesichter am Reisemorgen.

 

Vor-Sommer-Gefühle

Der Genuss von Lindenblütenduft in der Luft.

Die Melancholie beim Gedanken daran, dass mit dem Sommeranfang die Tage wieder kürzer werden.

Der Neid auf die Bayern und ihre langen Pfingstferien.

Der Gaudi, wenn der Ahornnasenstülper tatsächlich auf der Nase klebt.

Die Überraschung, wenn man beim Putzen das vermisste Osterei wiederfindet.

Die Sorge, zwischen all den Feiertagen die Arbeit nicht zu bewältigen.

Das Wundern darüber, wo das erste Halbjahr geblieben ist.

Die Vorfreude auf lange Sommernächte.

 

Veränderungshäßlichkeit

Ich habe eine neue Küche. Genau genommen ist sie nicht neu, sondern sogar ziemlich alt. Sie ist die Küche meiner Vor-Vor-Mieter und versprüht den Charme der 90er. Nach Auffassung meines Vermieters ist sie „noch gut“ – weshalb ich sie nicht auswechseln durfte,

Ich habe ernsthaft in Erwägung gezogen, die Wohnung wegen der Küche sausen zu lassen. Was bei der Wohungssituation in Berlin völlig bescheuert wäre, insbesondere, wenn der Rest stimmt. Und das tut er. Ich versuche also, das Beste draus zu machen und reframe, was das Zeug hält:

Ich konnte nicht nur jede Menge Geld für eine neue Küche sparen, sondern habe auch eine Menge über Veränderung gelernt: Selbst, wenn man sie selber will, selbst, wenn eigentlich alles passt, selbst, wenn man sich lang nach der Veränderung gesehnt hat: Irgendwas ist immer. Und das ist normal. Selbst die Treiber einer Veränderung erleben Tiefs und  einzelne Aspekte können alles in Frage stellen. Überzeugende und motivierende Worte von außen helfen wenig. Egal was mein Umfeld sagt – ich finde die Küche nicht wirklich schön. Was aber hilft, ist die Möglichkeit, den Rahmen um die Zumutung herum gestalten zu können.

Also tragen die Wände nun frische Farbe, der Fußboden ist ausgewechselt, und  die ergänzten Möbel sind in meinem Stil gewählt. Beim Betreten des Raumes richte ich den Blick auf meinen Bistrot-Sitzplatz, konzentriere mich auf das, was ich mag. Und stelle fest, dass das Schöne strahlt. Und mir hilft, das Häßliche zu mögen.