Gedankensplitter

Wintergefühle

Die Freude über den kleinsten Sonnenstrahl am sonst grauen Winterhimmel.
Der Ärger darüber, schon wieder die Handschuhe vergessen zu haben.
Das Glück eine Oma zu haben, die Socken stricken kann.
Die Erleichterung, wenn die Lieben bei Eisglätte gut heim gekommen sind.
Die freudige Überraschung, Eisblumen am Fenster zu sehen.
Das Erschrecken bei der Feststellung, dass man Schlittschuhlaufen doch verlernen kann.
Der wohlige Schauer, wenn das Eis der zugefrorenen Pfütze unter den Füßen knackt.
Die Ungeduld, endlich die ersten Schneeglöckchen zu entdecken.

 

 

Zu Weihnachten

Du brauchst Dich nicht zu schminken
den Spiegel brauchst Du nicht
Leg ab die falschen Masken
verdeck nicht Dein Gesicht

Kauf bloß keine Geschenke
und keine Plätzchen back
das alles ist Verpackung
das lenkt jetzt alles ab

Du brauchst kein Geld, kein‘ Reichtum
auch Macht und Ehre nicht
Dein Haben und Dein Können
fällt heut nicht ins Gewicht

Das Kindlein ist geboren
wo immer es jetzt ist
es wartet auf Dein Kommen
es nimmt Dich wie Du bist

Gedankensplitter von Andreas Göster, KJF Kinder- und Jugendhilfe Memmingen-Unterallgäu

Bekümmernd unverbindlich

Beim U-Bahnfahren in den letzten Tagen habe ich verschiedene Gespräche zu guten Vorsätzen für das neue Jahr mitbekommen. In allen ging es vorbildlich um’s Kümmern:

Man wollte sich besser um die alten Eltern kümmern und mehr um die kranke Kollegin. Intensiver um alte Freunde kümmern und endlich mal um die Altersversorgung. Häufiger ums Enkelkind und um die schon lang anstehende Entrümpelung des Dachbodens.

Ich gehe jede Wette ein, dass die meisten dieser Kümmer-Vorsätze bekümmernd enden werden. „Sich kümmern“ hat nämlich nicht nur aus etymologischer Sicht einen betrüblichen Ursprung. Es ist auch ziemlich unpräzise und deshalb schlecht geeignet, vom Gedanken zur Tat zu kommen.

Weniger kummervoll wäre es sich vorzunehmen, die alten Eltern zum Arzt zu fahren und die kranke Kollegin anzurufen. Alten Freunden eine Karte zu schreiben und die Altersversorgung mit dem Versicherungsagenten zu besprechen. Mit dem Enkelkind ins Aquarium zu gehen oder auf dem Dachboden nach Schätzen zu suchen, bevor der Sperrmüll bestellt wird.

So wird es etwas verbindlicher. Und das Risiko des Verkümmerns der guten Vorsätze ein wenig kleiner.

Wachstumsschmerzen und Nicht-Wachstumsschmerzen

Veränderungen in Organisationen haben immer mit Schmerzen zu tun. Das ist der Grund, warum sie so oft aufgeschoben werden. Leider wird es dadurch meist nicht besser. Vielmehr gilt für Organisationen wie für Menschen: “ Oft sind Schmerzen, die wir wir dadurch empfinden, dass wir etwas aufschieben, genauso schlimm oder sogar schlimmer als die, die wir durch Handeln in Kauf nehmen müssten. Je eher wir uns dem Unbehagen stellen, desto eher wird es abklingen.“ (aus Anthony Gunn, Aufrecht durchs Leben).

Feriengefühle

Die Neugier auf das unbekannte Feriendomizil.

Die Erleichterung, dass tatsächlich alle Koffer ins Auto passen.

Die Vorfreude auf das Buch für den Urlaub.

Das Entzücken über den Geschmack von Salz in der Luft.

Das Erschrecken vor unbekannten Insekten.

Die Zufriedenheit darüber, einen angespülten Seestern zurück ins Meer geschubst zu haben.

Der Stolz, zwei Wochen lang wirklich nicht ins E-Mail-Postfach geschaut zu haben.

French Chic

Zum unnachahmlichen Chic der Pariserinnen gehört es unter anderem, sich auf das zu konzentrieren, was sich bewährt hat – also Modeklassiker einzusetzen – und auf das, was der eigenen  Figur schmeichelt und den Charakter unterstreicht. Dabei gilt immer: Weniger ist mehr.

Das gilt, wie ich finde, auch für Managementmoden: Konzentrieren Sie sich auf Bewährtes (wenn auch in modernem Zuschnitt) und auf das, was Ihrer Organisation gut steht. Und auch bei Managementmoden ist weniger meist mehr …

Sommergefühle

Der Spaß am Kofferpacken vor dem Start in die Ferien.
Der Genuss, im warmen Sommerregen zu stehen.
Das Staunen über die Ameisenstraße in der Küche.
Die melancholische Erinnerung an eine Sommerliebe.
Der Stolz, den Kirschkern am weitesten von allen gepuckt zu haben.
Der Ärger über den Sonnenbrand trotz Sonnencreme.
Die Lust, die Füße ins nächste Wasser zu stellen.

GSV – Geheimes Single Verhalten

Sie kennen es sicher, das GSV, das „Geheime Single Verhalten“. Macken und Marotten, die insbesondere Single-Menschen – aber auch alle anderen, die sich z.B. gerade allein in ihrer Wohnung wissen – an den Tag legen.

Diese Merkwürdigkeiten, die wir tun, wenn wir ganz bei uns sind, von denen wir aber nicht möchten, dass andere sie mitbekommen oder uns gar dabei stören. Kompromittierende Beispiele muss ich nicht anführen, Sie wissen, was ich meine….

Das GSV mag schrullig sein, bisweilen gar beschämend. Am Ende des Tages aber ist es echt. Es entspringt unseren Bedürfnissen, befriedigt sie auf authentische Art und Weise – und verrät so eine Menge über uns als Mensch.

 

In Organisationen lässt sich Vergleichbares wahrnehmen. Das GOV, das Geheime Organisations-Verhalten. Marotten und Eigenarten, die Organisationen an den Tag legen, wenn sie sich allein, also losgelöst von ihrem Umfeld wähnen.

Prozesse, die quasi zum Erliegen kommen, wenn gerade kein Druck von außen zu spüren ist.

Der Ton, der rauer wird, wenn die Kunden weit weg sind. Entscheidungen, die ganz schnell getroffen werden, weil die Partner aus den Partnerverbänden gerade nicht mit am Tisch sitzen.

Es könnte sich lohnen, sich hin und wieder mit den Augen eines Überraschungsgastes zu betrachten…..