Minutenprojekte

Veränderung in 60 Sekunden

Veränderung ist möglich. Schneller und einfacher als man denkt. Nicht unbedingt der eine ganz große Lebensplan, sondern viele kleine Schritte machen sie möglich. Die richtige Idee dazu ist schon der erste Schritt. Hier finden Sie Beispiele und Anregungen für solche ersten Ideen. Damit Sie Ihr Leben und Arbeiten in einer Minute reicher machen können.

Mit Nichtstun Welten öffnen

Was tun Sie als erstes, wenn Sie ein Meeting verlassen? Oder wenn Sie von einem Tagungsraum in den anderen wechseln? Oder wenn Sie auf Ihre Kollegen warten?

Sehr wahrscheinlich checken Sie Ihre Mails. Sie erledigen noch schnell einen Anruf oder versenden rasch eine SMS. Stattdessen könnten Sie aber auch einfach nichts tun. Und sich damit neue Welten eröffnen.

Sie hätten die Gelegenheit, einfach präsent zu sein, ganz im Moment. Ihr Gehirn erhielte die nötige Pause, um Erlebtes zu verarbeiten und neue Synapsen zu bilden. Sie bekämen die Möglichkeit, Ihr Umfeld einmal kommentarlos wahrzunehmen. Damit wäre Weg frei für Zufälle aller Art. Und nicht zuletzt entstünde Raum für eine Begegnung mit sich selbst.

Gerade Letzteres mag erschreckend wirken, ist aber die Grundlage für ein Kernelement neuen Arbeitens und Führens: Präsenz. Wer mit sich selbst im Reinen und innerlich gut sortiert ist, wer offen und ansprechbar ist (weil er sich nicht tief über das Smartphone beugt oder hinter dem aufgeklappten Rechner versteckt) strahlt Präsenz aus.

Alles, was Sie dafür tun müssen, ist NICHTS.

Nutzen Sie die Minuten zwischen zwei Terminen, um still wahrzunehmen, was ist. Lassen Sie Ihr Smartphone auf stumm geschaltet in der Tasche. Verschaffen Sie sich kleine Inseln des Müßiggangs.

Wenn Sie sich noch ein paar Anregungen wünschen, lesen Sie den Artikel „Tuning in to you“ von Scott Belsky im Büchlein „Manage your day-to-day: Build your routine, find your focus & sharpen your creative mind“ (Hg. J.K. Glei).

Folgen den Links in meinem Minutenprojekt zum Thema Müßiggang.

Probieren Sie es mit kurzen Meditationen, z.B. mit Hilfe der App Stop. Breath. Think.

Am besten aber: Machen Sie einfach nichts.

Freundlichkeitsfabrik

Zählen Sie mal nach, wie viele lächelnde Menschen Ihnen in der nächsten Stunde begegnen – egal, wo Sie gerade stecken: im Büro, beim Einkaufen, in der U-Bahn…. Sie werden feststellen, dass es erschreckend wenige sind (und das nicht nur in Berlin).

Dabei erscheint es doch fast als Binsenweisheit, dass der Freundlichere gewinnt. Wir sprechen lächelnde Menschen lieber an als griesgrämige, wir verzeihen dem Freundlichen leichter einen Fehler und haben schlicht mehr Spaß am Kontakt, wenn ein Lächeln im Spiel ist. Was für den Einzelnen gilt, gilt auch für Unternehmen. Gute Stimmung – gute Leistung, so die Gleichung, die der Launologe Dr. Helmut Fuchs aufstellt. Er gibt Tipps dafür, wie man sich gegen „Gefühlsterrorismus“ rüsten und die Stimmung im Unternehmen verbessern kann. Zwei Dinge, die sich  ganz schnell umsetzen lassen:

Die anonyme Wohltat

Suchen Sie sich eine Gelegenheit, bei der Sie unentdeckt einem anderen Menschen etwas Gutes tun. Legen Sie dem gestressten Kollegen ungefragt eine Schokoriegel auf den Schreibtisch. Stellen Sie einen schönen Blumenstrauß in Büro. Oder lächeln Sie einfach selber, was das Zeug hält. Das ist zugegeben nicht mehr anonym, aber führt direkt  zu Strategie 2:

Der freundliche Blick

 Allein das Verziehen der Gesichtsmuskeln sorgt für bessere Laune, denn Gehirnareale, die für die Stimmung zuständig sind, erhalten dann ein positives Signal. Falls Sie sich damit noch schwer  tun, abonnieren Sie doch ein Lächeln bei der Fabrique du Sourire, bei der in Grafiken zu aktuellen Themen stets ein breites Lächeln eingebaut ist. Oder Sie schauen mal in meinen Lieblingsstücken vorbei. Dort gibt es jede Menge Hinweise auf Dinge, die ein Schmunzeln entlocken.

Wenn Sie mehr als eine Minute haben, finden Sie noch mehr Ideen und Hintergrundinfos zum Zusammenhang von Stimmung und Leistung im Buch „Die launologische Revolution“ von Helmut Fuchs oder direkt auf seiner Website helmutfuchs.de

Thank you for the music

Das könnten Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen, wenn Sie ihnen gestatten, während der Arbeit Kopfhörer aufzusetzen und Musik zu hören. Was in der Vorweihnachtszeit angesichts nervigen Schlittenglöckchengeklingels und Last Christmas in Endlosschleife kaum vorstellbar ist: Musik hat durchaus positive Wirkung auf unser Gemüt und kann uns beim Arbeiten beflügeln. Der passende Klang  – insbesondere auch klassischer Musik – macht müde Büroarbeiter wieder munter, fördert die Kreativität, Kooperation und Konzentration. Das funktioniert ganz individuell mit der Musik via Kopfhörer direkt auf dem Ohr, aber auch mit der richtigen Beschallung für alle in Kantine, Kaffeeküche oder Foyer.  Ganz Mutige können auch versuchen, auf der Weihnachtsfeier gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. Es hilft wirklich.

Wenn Sie mehr zum Zusammenhang zwischen Musik und Arbeitsleistung wissen wollen, lesen Sie die Studie von Teresa Lesiuk oder von Karen Landay und Peter D. Harms.    Und für die passende Playlist können Sie hier nachlesen.

Reif genug

Führungsreife lässt sich leider nicht in einer Minute entwickeln. Einen wichtigen Schritt dahin können Sie allerdings in wenigen Sekunden tun: Indem Sie akzeptieren, dass gute Führung mit Selbstführung beginnt – und dass das eine Lebensaufgabe ist.

Ist das gelungen, können Sie sich auf den – zugegeben langen und oft mühsamen – Weg der emotionalen Reifung machen.

Ein Zeichen emotionaler Reife ist es zum Beispiel, neben den großen Plänen vor allem auf die kleinen Dinge zu schauen, die schon gut laufen. Oder aufzuhören, an Perfektion zu glauben. Den perfekten Job den perfekten Menschen, das perfekte Leben gibt es nicht. Wertschätzen aber kann man, was schon gut genug ist.

In Anerkenntnis dessen, dass Sie nicht perfekt sein können und dass es schon viele Dinge gibt, die gut laufen, können Sie im Blog der School of life überprüfen, welches der 26 Zeichen emotionaler Reife bei Ihnen zu erkennen sind.

Lust-wandeln

Nicht nur, wenn Sie gerade erste Gehversuche in Richtung Agilität unternehmen wird Ihnen schon die Mega-Wort-Wolke des kulturellen Wandels unter gekommen sein. Geschulte Führungskräfte wissen, wie wichtig der ist – und haben selten einen Plan, wie er genau funktionieren soll.

Getreu dem Motto, dass jede Veränderung mit dem ersten Schritt beginnt, könnten Sie einfach bei sich anfangen. Ja, das schmerzt. Muss es aber nicht. Sie könnten nämlich versuchen, zur Abwechslung mal dem Lustprinzip zu folgen und dadurch gewissermaßen Lust zu wandeln.  Das Prinzip ist einfach: Veränderung kann kann auf zweierlei Weise angegangen werden: Leid lindern oder Freude steigern. Beginnen Sie mit Letzterem. Konzentrieren Sie sich auf Dinge, die Ihr – ja, Ihr –  Wohlbefinden steigern. Ein anständiger Espresso nach dem Essen? Ein Blumenstrauß auf dem Schreibtisch? Ein Meeting an der frischen Luft? Sorgen Sie dafür, dass Sie bekommen, was Ihnen gut tut. Schauen Sie, was Ihre gute Laune mit den anderen macht. Animieren Sie die anderen, es Ihnen gleich zu tun. Lustwandeln Sie alle auf Teufel komm raus. Reden Sie drüber. Und staunen Sie darüber, was es mit der Atmosphäre macht. Wenn Sie genug gestaunt haben,  arbeiten Sie sich langsam an die schwierigeren Veränderungsaufgaben heran. Nach dem gleichen Prinzip.

Wenn Sie mehr als eine Minute haben, können Sie bei John-Paul Flintoff nachlesen „Wie man die Welt verändert“. Oder bei Svenja Hofert und Claudia Thonet erfahren, wie „Der agile Kulturwandel“ funktionieren kann.

Management-Detox

Wenn Sie im Rahmen Ihrer Management-Aufgaben den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, könnten Sie die Fastenzeit nutzen, um sich von Ballast zu befreien und den Management-Geist zu klären. Probieren Sie ein kleines – oder auch  größeres – Management-Detox:

1.  Finger weg vom Micro-Management 

Versuchen Sie in den kommenden 40 Tagen, das Kontrollieren herunter zu fahren und Ihren Mitarbeitern mehr Entscheidungen zu überlassen. Ob Gestaltung des Flyers, Entscheidung über den neuen Bürostuhl oder Fertigstellung einer Präsentation – Ihre Mitarbeiter kriegen das hin. Auch ohne Sie. Riskieren Sie was. Die Welt geht nicht unter, wenn etwas anders läuft, als Sie es sich vorgestellt hätten. Und im Zweifelsfall können Sie hinterher reflektieren was es braucht, damit es beim nächsten Mal besser klappt. Die Zeit haben Sie ja jetzt, wo Sie nicht mehr jede Entscheidung selber treffen.

2. Entschlacken Sie Ihren Sitzungsplan

Wieviel Stunden oder Tage pro Monat verbringen Sie in mehr oder weniger unproduktiven Sitzungen? Notieren Sie sich einmal, in welchen Arbeitskreisen und Gruppen Sie regelmäßig anwesend sind. Und dann überlegen Sie: Was genau ist Ihre Rolle im jeweiligen Arbeitskreis? Haben Sie ein bestimmtes Amt? Oder sind Sie „nur“ Teilnehmer? Was suchen Sie in der Gruppe? Und was können Sie beisteuern? Welchen Nutzen stiftet all das für die Arbeit Ihrer Organisation? Stellen Sie eine Hitliste auf. Und entscheiden Sie dann, was Sie  – zumindest in den kommenden 40 Tagen – nicht mehr tun.

3. Nutzen Sie nur, was Ihrem Organisationszweck wirklich gut tut

Die gleiche Übung wie bei Punkt zwei, nur bezogen auf die Managementmethoden in Ihrer Organisation. Was frisst wieviel Zeit und wieviel Energie? Was stiftet welchen Nutzen? Achtung: Nur weil etwas mühsam ist, bedeutet das nicht, dass es nichts nutzt. Und: Es geht um die Organisation, nicht um Ihre persönlichen Vorlieben. Kleiner Trost: Was Ihren Vorlieben entspricht, geht in der Regel leicht von der Hand und gibt auch Energie. Ein, zwei Schmankerl dürfen Sie sich gönnen. Aber nicht übertreiben. Sie futtern ja auch nicht den ganzen Tag Schweinebraten, nur weil er gut schmeckt.

Wenn Sie mehr als eine Minute haben, können Sie hier einen TED-Beitrag zum Thema Micro Management anschauen. Oder in den Gedankensplittern ein Mode-Mantra für Ihr Management-Detox abholen.

Mit Vorsatz

Ob auf der Firmenweihnachtsfeier, am Silvesterabend oder beim ersten Wiedersehen im neuen Jahr, irgendwann kommt sie, die Frage nach den guten Vorsätzen für’s neue Jahr. Falls Sie nicht nonchalant lächelnd mit „Keine Vorsätze für dieses Jahr“ antworten wollen oder können, sondern tatsächlich welche gefasst haben, hier ein paar Tricks die Ihnen helfen, Ihre Vorsätze zumindest über die ersten Januartage hinaus zu verfolgen:

Sich selbst bestärken

Niemand sagt, dass Vorsätze immer auf eine Veränderung abzielen müssen. Man darf sich auch vornehmen, etwas Gutes beizubehalten.  Das verringert Frusterlebnisse und ermutigt zu mehr.

Sagen, was sein soll – nicht, was zu unterlassen ist

Ein alter Hut, aber wirksam: Formulieren Sie positive Sätze. Also: „Ich möchte meinen Kollegen mehr Komplimente machen“ statt „Ich will nicht mehr über die anderen lästern“ oder „Ich möchte intensive Gespräch mit meinen  Mitarbeitern führen“ statt „Ich möchte die zwischen Tür und Angel-Absprachen abstellen“.

Bescheiden bleiben

Ein, zwei Vorsätze reichen völlig aus. Weil man sich viel mehr ohnehin nicht ständig bewusst machen  kann. Weil Veränderung viele kleine Schritte braucht. Und weil es viel weniger frustrierend ist, wenn man, falls es doch nicht klappt, nur einen Vorsatz über Bord werfen muss.

Kritzeln erlaubt

Mittwochnachmittag, schon zwei Stunden im Meeting, kein Ende in Sicht. Der Stift gleitet über das Papier und produziert eine Kritzelei nach der anderen…..

Völlig zu Unrecht werden diese kleinen Kunstwerke mit Langeweile und mangelnder Konzentration assoziiert. Forscher der Universität Plymouth haben heraus gefunden, dass die Kritzler unter uns bis zu 29% mehr an Informationen behalten können als die Nicht-Kitzler. Überdies verraten die Bildchen etwas über unser Seelenleben.

Ein Haufen aus leeren Kreisen etwa deutet auf Kreativität hin, Zickzackmuster auf  – wer hätte es gedacht – einen kämpferischen Charakter.

Weitere Interpretationsmöglichkeiten finden Sie hier.  Dass Kritzeln wahre Kunst sein kann, sehen Sie hier. Und die Studie von Jackie Andrade von der University of Plymouth gibt es hier.

Schöner Müßiggang

Irgendwie hat man es ja gewusst: Langeweile und Nichtstun sind wohltuend. Hirnforscher bestätigen: Pausen machen produktiv. Unser Gehirn nutzt nicht nur den nächtlichen Schlaf, um Erlebtes zu verarbeiten und neue Synapsen zu bilden. Ebenso sind bewusst erlebte Ruhezeiten dazu geeignet, Verbindungen im Hirn wachsen zu lassen und unsere Kreativität und Produktivität anzukurbeln.

Das sog. aufgabenunabhängige Denken – wenn die Gedanken ziellos streifen dürfen und wir ins Tagträumen geraten – ist produktives Nichtstun, bei dem Stress abgebaut wird.

3 Dinge, um sich im süßen Nichtstun zu üben:

Verlagern Sie Ihre Mittagspause nach draußen – also weg vom Schreibtisch und der Kantine, raus auf die Parkbank oder ins Bistro um die Ecke. Und auf dem Weg dahin: Den Spatzen bei Pfeifen zuhören. Wolkenbilder erraten. Kastanien wegkicken. Schneeflocken mit der Zunge einfangen….

Machen Sie alle 90 Minuten eine kurze Pause. Das ist nicht nur der Rhythmus unseres REM-Schlafes, sondern auch der Takt, in dem uns Tagträume kommen und die Zeitspanne, die wir uns maximal auf ein Thema konzentrieren können.

Üben Sie, „nutzlose“ Dinge zu tun. Wenn Sie gern Schildkröten aus Walnusshälften basteln oder Kronenkorken bemalen – nur zu. Es dient dazu, unsere Lust am Arbeiten aufrecht zu erhalten.

Wenn Sie mehr als 1 Minute haben und mehr zum Thema Ruhe und Müßiggang lesen möchten, schauen Sie mal in diesen Artikel aus der Zeit. Und dass das Thema ein echter Dauerbrenner ist, zeigt ein Text von Siegfried Lenz.